reADJUST

Über Anwälte, die Zukunft der Musik und mehr

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04.06.2013 - Ihre Musik bezeichnen Sie selbst als Melodic Body Electro. Während die aus Deutschland kommende Band, bestehend aus Jay, Tommes und dem Live Keyboarder Thomas in der eigenen Heimat scheinbar etwas unterschätzt werden, haben Sie sich in den USA schon eine grosse Fangemeinde aufgebaut. Mit dem 2006 bei dem US Label Hypervoxx erschienenden Debüt "Statement" wurden Sie schon als Geheimtipp gehandelt. Von: Pombodos

Image (Foto: reADJUST)

reADJUST erreichte eine Platzierung in den Alternative Charts.
Mit den folgenden CDs „Morphose e.p.“, „Metamorphose“ und „traum:HAFT e.p“ konnten sie Ihren Erfolg ausweiten und sind eine feste Grösse in der Szene.

Nun, 5 Alben später mit der Vorbereitung auf das im Herbst erscheinende Album „Access All Areas“ wollen wir hier ein paar Fragen los werden:

ADAXON: Wir kommen nicht um die Frage herum, woher ihr Euren Namen habt und was er bedeutet.?

Jay: Ende 2000 habe ich, Jay, nach einigen Jahren Pause wieder angefangen Musik zu machen. Zuerst unter einem anderen Namen. Nach dem Publizieren von einigen Songs im Netz bekam ich 2002 einen Brief von einem Anwalt mit einer Unterlassungsaufforderung. Eine Goa-Band hatte diesen Namen (Electricide) bereits gewählt und eintragen lassen. Um weitere Probleme zu vermeiden, musste also ein anderer Name her. Das nahm ich auch zum Anlass, das "musikalische Konzept" zu ändern. Also musste ich mich auf gewisse Weise neu einstellen bzw. verändern. Der englische Begriff dafür ist "to readjust" und daraus wurde dann eben reADJUST abgeleitet.

ADAXON: Oha, also auch in der Musikbranche wird gerne mal gleich mit dem Hammer zu geschlagen, statt geredet?

Jay: Ja, das ist in der heutigen Zeit eigentlich schon Normalität. Ich war zuerst wirklich geschockt, weil ich bis dahin noch nie mit so etwas konfrontiert worden bin. Ich hab mich dann ein wenig im Internet in gewisse Dinge eingelesen und bin heute schlauer ;)

ADAXON: Wie seit ihr zur Musik gekommen, bevor ihr Eure Band gegründet habt. Was habt ihr vor 2002 gemacht?

Jay: Ich interessiere mich für Musik eigentlich schon so lange ich denken kann. Anfang der 80er kam ich dann über die Schule zum aktiven Musizieren, als ich der Musik-AG beigetreten bin und dort dann auch den Sprung in die "Schul-Band" geschafft habe. Zuerst habe ich dort an den Percussions mein "Können" unter Beweis stellen dürfen und bin dann zum Keyboard gewechselt. Anfang der 90er bin ich dann in eine Synth-Pop-Band (Black Trinity) eingestiegen und habe dort 3 Jahre in die Tasten gehauen, bevor die Band sich aufgelöst hat. 1996 habe ich mich dann mit einem Freund zusammen getan und wir haben mit TAKE ONE ein EBM-Projekt gegründet und ein Tape veröffentlicht. Das ist dann aber nach einem Jahr wieder im Sande verlaufen, wegen meiner sportlichen Aktivitäten und dem Vorzug des Familienlebens des Freundes.

Tommes: Bei mir war es so, dass ich ein Fan der ersten Stunde von Depeche Mode bin und ich Alan Wilder als Idol ansah. Also hab ich mir einfach so mal ein Keyboard bzw. Synthi gekauft und angefangen herumzuexperimentieren. Anfang 1990 hatte ich meine erste Band namens THE ORPHOBIA (Dark Wave). Dann folgten weitere Bands: 1994-2002 Absurd Adventures (Synthipop); 2002-2009 The Escape (Gothic Rock). Wie man sieht hab ich schon viele Stilrichtungen ausprobiert.

ADAXON: Wow, dass ist ja allerhand, was Ihr da zu bieten habt. Zu hören gibt es davon nichts mehr?

Jay: Also von meinen ehemaligen Projekten leider nicht mehr. Ich hatte einiges auf Tape und auch auf Vinyl. Aber diese (und viele andere Sachen), sind bei einem Umzug leider gestohlen worden. Von Tommes´ Projekten gibt es noch CD´s.

ADAXON: Ihr bezeichnet Eure Musik selbst als Melodic Body Electro. Wollt ihr damit die verschiedenen Stile zusammen führen oder einfach eine neue Art erfinden?

Jay: Also erfinden wollten/wollen wir nichts Neues, auch wenn wir unseren eigenen Stil gefunden haben! Wir werden aber immer wieder gefragt, welche Musik wir machen und diese Bezeichnung beschreibt es am Besten. Wir vermischen klassischen Dark Electro und EBM mit melodischen Elementen. Und das kurz zusammen gefasst, ergibt eben Melodic Body Electro.

ADAXON: Woher nehmt Ihr eigentlich die Ideen zu euren Songs.

Jay: Oft sind es spontane "Eingebungen", die dann schnellstmöglich festgehalten werden. Mal ist eine eine Melodie, mal eine Bassline, oder eben auch manchmal einfach nur ein Text. Diese werden dann eben nach und nach weiter ausgearbeitet und so entstehen dann die meisten Songs. Manchmal habe ich einen Text und eine genaue Vorstellung, wie dieser dann musikalisch verarbeitet werden soll. Die "Ideen" zu den Texten bekomme ich durch das tägliche Leben praktisch jeden Tag frisch geliefert. Ich verarbeite darin all das, was mich bewegt, ärgert, erfreut, interessiert, oder was ich sonst auf gewisse Weise verarbeiten will.

Tommes: Es gibt da keine feste Vorgehensweise. Manchmal ist es einfach auch nur das experimentieren mit den Synths oder Sounds, wodurch neue Songs entstehen. Das texten überlass ich lieber Jay.

ADAXON: Euch gibt es seit 11 Jahren, gab und gibt es noch Musik, die Euch beeinflusst?

Jay: Oh ja!! Alan Wilder ist DAS Vorbild für mich. Ohne ihn wäre ich wahrscheinlich persönlich nie vom Musik machen her im düster-elektronischen Bereich gelandet. Dazu dann noch Musiker wie Jean-Michel Jarre, Kraftwerk, Calva y Nada, Sven Väth, Conrad Schnitzler, oder Vince Clarke. Später kamen dann Bands wie In strict Confindence, Die Krupps, Oomph!, Chemical Brothers oder Decoded Feedback z.B., die mich auf gewisse Weise inspiriert haben.

Tommes: Wie ich schon erwähnte, Alan Wilder zählt immer noch zu meinen Idolen. Front242 zähl ich auch dazu, ebenso Tangerine Dream.

ADAXON: Was hat sich Eurer Meinung nach in den 11 Jahren in der Szene verändert oder hat sich überhaupt etwas verändert?

Jay: Eine ganze Menge! Das jetzt alles im Einzelnen aufzuführen, würde einfach zu lange dauern. Es hat unterm Strich aber leider mehr negative Veränderungen gegeben, als positive.

ADAXON: Es wird immer einfacher, elektronische Musik zu machen, wie seht ihr die Zukunft der Musikindustrie, welche Möglichkeiten bilden sich Eurer Meinung nach für Bands, um noch Erfolg haben zu können.

Jay: Durch die extreme Vereinfachung der Musikproduktion gibt es eine regelrechte Flut an Veröffentlichungen. Jeder kann in wenigen Minuten irgendwelche Loops aneinander reihen und fertig ist ein "Song". Das geht natürlich auch sehr oft auf die Qualität der Musik. Auch erschwingliche Software-Synthesizer wird es immer einfacher. Früher musste man lange für einen Synthesizer sparen und sich zudem auch noch weiteres teures Equipment zulegen. Da war der musikalische Output überschaubarer und man ist schneller aufgefallen, als es heute der Fall ist. Heute muss man sich schon gewaltig von der Masse abheben, oder auch oft an ein Label "verkaufen". Und man muss heute auf jeden Fall mit dem Strom schwimmen und die Musik produzieren, die von den Leuten gewünscht wird. Tut man das nicht, hat man es wirklich sehr schwer. Richtig großen Erfolg kann man heute nur noch in Ausnahmefällen haben, woran aber nicht zuletzt viele Label und Konzertveranstalter ihre Mitschuld tragen.

Tommes: Ich kann den Bands nur raten: NICHT aufgeben, zieht Euer Ding durch!

ADAXON: Ihr habt Euren ersten Auftritt auf dem WGT gehabt, welchen Eindruck hat dies bei Euch hinterlassen?

Jay: Also der Gedanke an diesen Gig macht mir immer noch eine positive Gänsehaut! Das war Adrenalin pur! Eine wirklich gut gefüllte Moritzbastei hat vom ersten Songs an richtig abgefeiert und uns förmlich durch die 40 Minuten getragen. Davon ab war der wirklich perfekt organisierte Ablauf des Abends auch bemerkenswert. Die Offenheit der Besucher gegenüber unbekannten Bands war auch einfach fantastisch. So sollte es eigentlich immer sein. Aber das wird es wohl auch weiterhin nur auf dem WGT geben, die sich nicht davor scheuen auch "kleinen Bands" eine Chance zu geben und kein Geld dafür haben wollen, wie es bei allen anderen Festivals sonst der Fall ist.

Tommes: Es war bombastisch. Es war zwar nicht mein erster WGT Gig (mit The Escape 2002), aber das hatte ich bisher noch nicht erlebt.

ADAXON: Was dürfen wir von Euch mit dem kommenden Album Access All Areas erwarten, wie wird es klingen, was werdet Ihr textlich darin verarbeiten?
Der Name ist Programm und wir werden viele Bereiche abdecken. Wir werden musikalisch bei einigen Songs dem EBM-lastiger klingen als jemals zuvor. Andere Songs werden recht minimalistisch sein, andere dann wieder recht "Mainstream-lastig". Das gleiche gilt auch für die Texte. Hier geht es thematisch um Missbrauch, Egoismus, Intoleranz, Träume, Hoffnung und auch die Klischees werden natürlich mit einem Augenzwinkern wieder bedient.

ADAXON: Wo meint ihr, werdet ihr in 5 Jahren stehen? Wie motiviert Ihr Euch immer wieder weiter zu machen?

Jay: Wenn ich mir was wünschen könnte, dann würde ich in 5 Jahren auf den Bühnen aller großen Festivals gewesen sein und zumindest kein Geld mehr für Konzerte auf den Tisch legen müssen. Realistisch gesehen, werden wir wohl weiterhin auf unserer bisherige Schiene bleiben, weil wir uns einfach nicht verbiegen und unsere Seele verkaufen wollen. Motivation gibt es genug. Nicht zuletzt das Erlebnis auf dem WGT hat uns wieder einen gewaltigen Motivationsschub gegeben. Ansonsten motiviere ich mich immer mit dem Ziel, weiterhin den Leuten zu zeigen, dass auch "kleine Bands" gute Musik machen können ohne sich verkaufen zu müssen. Davon ab ist unsere treue Fangemeinde ebenfalls ein großer Antrieb, die uns stets unterstützen und mit uns durch alle Zeiten gegangen sind!

Tommes: Dem kann ich nur zustimmen. Man wird noch viele Jahre mit uns rechnen können.

ADAXON: Ihr seit ja jetzt einige Male Live unterwegs gewesen, wie sieht Eure zukünftige Liveplanung aus, habt ihr noch was vor?

Jay Bis jetzt stehen eigentlich nur 2 weitere Konzerte für das Jahr 2013 fest. Im November spielen wir auf einem Festival in Magdeburg und im Dezember in Braunschweig. Wenn es nach uns geht, würden wir gerne 15-20 Konzerte pro Jahr spielen wollen. Eine kleine Tour wäre ein echter Traum. Leider ist es seit einiger Zeit nahezu unmöglich Konzerte zu bekommen, wenn man nicht selbst dafür bezahlt. Da werden tausende von Euros für die "Top-Acts" auf den Tisch gelegt, aber die Veranstalter haben nicht mal den Anstand den Support-Acts zumindest die Spritkosten zu bezahlen. Wir könnten viele Konzerte bekommen, wenn wir alles aus eigener Tasche zahlen würden. Aber das können und wollen wir einfach nicht. Von daher gibt es leider keine feste Planung und wir hoffen, irgendwann doch noch einige Konzerte vermelden zu können.

ADAXON: Wenn Bands für Konzerte zahlen sollen, meint ihr es liegt daran, dass die grösseren einfach damit finanziert werden sollen oder vielleicht einfach in manchen Genres die Nachfrage nicht mehr vorhanden ist, um die Konzertsäle damit voll zu bekommen?

Jay: In gewisser Weise versuchen Veranstalter sicherlich einen Teil der Gage, oder die weiteren Kosten wie Hotel, Catering etc. für die "großen" Bands wieder reinzuholen. Ich glaube aber nicht, dass es in dem Zusammenhang etwas mit "mangelndem Interesse" zu tun hat. Wenn eine "kleine" Band alleine auf die Bühne will, mag das vielleicht zutreffen. Aber selbst da kann ich das verlangen von "Sicherheitszahlungen" nicht nachvollziehen. Warum nicht einfach einen "Doordeal" vereinbaren? So tragen Band und Veranstalter das gleiche Risiko. Aber in 9 von 10 Fällen kann man noch so gut Argumentieren und der Veranstalter wird einfach nur seine Ansicht als akzeptabel ansehen.
Mangelndes Interesse gibt es hier und da sicherlich auch. Aber das hängt viel mit der Intoleranz der "Szenegänger" zusammen, die lieber zum zehnten Mal die gleiche Band sehen wollen, als sich lieber mal von einer kleinen Band überraschen zu lassen.

ADAXON: Vielen Dank für die offenen Worte, es hat mich gefreut. Wollt Ihr noch was Euren Fans mitteilen?

reADJUST Danke für euren bisherigen Support und eure Treue!

Umsetzung: Die Randgruppe GmbH