Dracul

Ein offenes Interview über Musik und Politik

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05.10.2013 - Dracul ist wieder da und mit dem nun fünften Album „Auf Grund“ ist eine weitere Veröffentlichung des elektronischen Sideprojektes von Mozart (Umbra et Imago) in den Läden. Die Musik kreierten diesmal Mozart und Tom O‘Connell (House of Usher/Traumtaenzer) zusammen mit den Sängerinnen Madeleine Le Roy und Karo Hafke. Die Themen sind ernst und ist ein sehr guter Anlass, mit Dracul zu sprechen. Von: Pombodos

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ADAXON: Hallo Mozart. "Auf Grund" ist das 5. Album deines Projektes Dracul. Wenn man bedenkt, dass 1995 der Startschuss mit "Die Hand Gottes" fiel, hast Du Dir immer ein wenig Zeit gelassen zwischen den Alben, besonders zwischen dem letzten Album von 2006 "Like an Animal" und dem aktuellen liegen 7 Jahre, wie kommt es dazu?

DRACUL Einige Gründe: Zeit, Geld, Texte und Prioritäten! Das sind die Hürden, die sich vor jeder Produktion auftürmen und die nur durch einen starken Willen übersprungen werden können.
Manchmal habe ich diese Kraft nicht, dann sammle ich Ideen und Eindrücke! Irgendwann klingelt es und die Kraft steht an der Türe, das nütze ich dann schamlos aus und missbrauche diese, um ein neues Album zu schaffen. Ich bin selbst immer wieder froh wenn es passiert und manchmal ist es wie ein Wunder dass es überhaupt passiert ist!
Plegdge Music war diesmal ausschlaggebend dass wir am Start sind. Ich habe mich lange nicht für solche Plattformen interessiert, bzw. ich habe die Idee nicht wirklich begriffen.
Dann habe ich geschnallt dass dies ein neuer Weg ist, die Freunde unserer Musik nicht nur „abzuzocken“, böse formuliert, nein, es ergeben sich neue GELEGENHEITEN für ALLE! Es entsteht fast etwas Familiäres und das erlaubt den „Aktionären“ an der Arbeit des Künstlers teilzuhaben und schafft eine ungekannte Nähe, die ein Label, alleine strukturell nicht hinbekommt!
Die Angebote sollte der Künstler machen und genau überlegen wie viel Nähe er zulassen will! Durch seine Angebotsliste! Zudem sollte der Freund der Musik mehr erhalten als nur die CD, das hat mich überzeugt, denn ich suche die Nähe zu meinen Hörern! Auf der Bühne und nun auch im Produktionsprozess. Das ganze Projekt ist von den Machern durchdacht, sie entscheiden auch nach einer Bewerbung ob eine Band dort auftaucht oder nicht! Insgesamt war dies ein Gewinn für Alle!

ADAXON: Wie lange habt ihr allgemein an dem neuen Album gearbeitet und wann habt ihr damit angefangen?

DRACUL: Wir haben im Mai 2012 angefangen und monatlich daran gearbeitet. Wir haben in insgesamt 3 Studios aufgenommen, immer an unmenschlichen Terminen oder Uhrzeiten um Rest - Studio - Zeit zu nutzen und damit zu sparen. Wir, Tom O Connell und ich hatten noch nie so lange an einem Album geschraubt und wir haben beide schon genug eigene Alben hinter uns. Mit Tom habe ich zusammen komponiert und strukturiert, dann kamen Karo Hafke und Madeleine le Roy dazu um alles zu „vergolden!“

ADAXON: Was fasziniert Dich an dem Projekt "Dracul" Wenn ich spekulieren darf, ist es auch der Reiz des elektronischen, da im Gegenzug zu Umbra et Image hier der Sound fast rein elektronisch ist, wenn man mal von dem Song "Heil Kräuter" absieht?

DRACUL: Die Freiheit, die ich mit der güldenen und traditionellen Diva „Umbra et Imago“ nicht habe!

ADAXON: Was unterscheidet die beiden Bands im wesentlichen?

DRACUL: Es ist ein so wunderbarer Kontrapunkt zu UMBRA ET IMAGO. Vergleichbar vom arbeiten her, wie ein Symphonie Orchester zu einem Kammerorchester!

ADAXON: Inhaltlich setzt Du Dich mit doch eher ernsten Themen auseinander, die Du mit Heil Kräuter etwas auf die Schippe nimmst. Dazu passend sind die Pressefotos. Was hat Dich dazu bewegt, dich damit auseinander zu setzen auf dem neuen Album?

DRACUL: Ich meine das sehr ernst, denn ich weiß, also ich vermute es nicht, dass gerade unsere Szene von den neuen Rechten zielstrebig unterwandert wird. Das erschließt sich mir durch eigene Erfahrungen, als auch durch investigative Journalisten, die ich in meinem Bekanntenkreis habe! Ich habe ordentlich diskutiert und recherchiert bevor ich dieses sarkastische als auch ironische Liedgut geschrieben habe! Wir stehen als Band alle dahinter und sahen die einzige Möglichkeit Aufmerksamkeit zu erregen im POLARISIEREN! Das ist ja mein Spezialgebiet!
Anbei ein erklärender Text, der eigentlich vor dem Release der Musikpresse zur Verfügung stand, alle kontaktierten Mags. wollten das nicht drucken. Die Interpretation zu diesem Sachverhalt, überlasse ich jedem selbst! (Redaktionshinweis: Wir schon und daher können sich Interessenten dies gerne hier runter laden.

ADAXON: Ich muss zugeben, zunächst konnte ich den Song "Fellow me" eher Danke or Die zuordnen, bevor ich darauf kam, dass der Klassiker von Amanda Lear ist. Ebenso sind Inhalte des Tracks "Killing Fields" bekannt. Warum gerade diese Songs?

DRACUL Follow Me Part 2 war eines der „lustigen“ Experimente! Der erste Teil war und ist der populärste Song der Band! Die Aufgabe bestand darin zu versuchen noch einmal so ein Ding zu machen, mit komplett anderen Stilmitteln, also einen neuen Song zu schaffen, den alten aber bewusst durchklingen zu lassen! Er ist einer meiner Lieblingssongs, aber das Urteil über Top oder Flop müssen die Hörer sprechen!
Das mit dem Cover von Amanda war Toms Idee, ich erkannte erst später als mein Kollege, dass dies genial ist! Denn diesen Song zusätzlich einzubauen, schafft nicht nur Verwirrung, sondern schlägt dem Fass den Boden aus! Wir haben die zwei Follow Me*s auch ineinander verkoppelt, es klingt wie ein Song, aber es ist uns gelungen völlig differenziert zu arbeiten! Das war der Clou dabei!
Der Witz bei diesem Song war der textliche Bezug (Donna Summer), völlig konträr zum eigentlichen“ I feel love“, kommt dann die Kritik am Menschen, da… “ is no feeling, there is no love“. Eingefallen ist uns diesmal ziemlich viel „Detailblödsinn“, das ist das wirklich phantastische bei Dracul, wir können experimentieren und auch schon mal auf die Kacke hauen.

ADAXON: Als Sänger hat man oft das Problem, sich selbst nicht gerne zu hören, wie sieht es bei Dir aus, hörst Du Dir die eigenen Scheiben öfters noch an?

DRACUL: Ich beantworte Dir das mit einem Satz von Peter Heppner, dem ich seinerzeit dieselbe Frage stellte! „ Ich habe Musik gemacht, um endlich mal was zu hören was mir gefällt!“

ADAXON: Gibt es musikalische Einflüsse, die Dich zu bestimmten Sounds und Stilen zu "Auf Grund" getrieben haben?

DRACUL: Natürlich beeinflussen mich „Kollegen“ unterbewusst! Aber wir arbeiten völlig differenziert, wenn man das mit den meisten Kollegen vergleicht. Bei uns ist immer ERST der Text da! Tom und ich sitzen dann vor dem Nichts und der Text schafft den Film im Kopf, der dann zur Musik wird! Das ist immer wieder wie ein Wunder, denn das ist der eigentliche metaphysische „Schöpfungsprozess“!

ADAXON: Hörst Du Privat auch eher Szene Musik oder liegen Deine musikalischen Vorlieben komplett woanders?

DRACUL: Ich bin durch und durch ein fanatischer Anhänger unserer Gothic - Kultur in allen Variationen! Geprägt bin ich von der Klassik, dann gibt es komischerweise ein paar seltene Stilblüten, die aber mit der jeweiligen Künstler –Persönlichkeit zusammenhängen! The Doors (Jim Morrison), Billy Holliday, Bob Marley, sind z.B. solche Auswüchse meines persönlichen Repertoirs.

ADAXON: Habt ihr Live eine Performance zu Dracul geplant?

DRACUL: Haben wir, aber wir träumen von einem radikalen und unverschämt neuen – aber zugleich auch alten Konzept! Ich würde mal sagen sowas wie „Kalkbrenner“ das macht, also die Techno Freaks! Ist nicht alles schlecht was die so den langen Tag machen! So ein Zwischending wie Dance – Floor und Live Performance im Multimedia Mantel! Wir arbeiten dran, aber wir sind noch in der Planung, deshalb kann ich noch nicht konkreter werden! Wir wollen das sowieso erst ab 2014 umsetzten!

ADAXON: Und gibt es Überschneidungen zu Umbra Et Imago, da ihr wie es aussieht an einer neuen Scheibe arbeitet?

DRACUL: Überschneidungen gab es leider diesmal. Ich versuche das immer zu vermeiden und diszipliniert alles nach Plan abzuarbeiten. Derzeit sind wir schon im Studio mit Umbra et Imago, d.h. die Vorproduktion lief parallel mit den Abschlussarbeiten von Dracul!

ADAXON: Mal zurück zum Albumthema bzw. daraus resultierend. Da Du gerade mit dem neuen Werk Dich recht politisch äusserst, was sagst Du zu dem Wahlausgang am 22.09. ?

DRACUL: Ich bin frustriert und das schon über Jahrzehnte. Mich überzeugt keine Partei, ich wähle immer das „kleinere Übel“. Der ganze Wahlkampf ist wie Fasching, sinnentleert und ohne Inhalte! Die Piraten finde ich lächerlich, leider, da ist eine Chance vertan worden! Die FDP kann nun auch mal glotzen ob jemand am freien Markt diese geistigen Tiefflieger beschäftigen will! Leider fallen diese Knalltüten immer weich!
Meine ganz persönliche Überzeugung ist, die Demokratie herrscht schon lange nicht mehr! Die Hülle dient als legitimes Mäntelchen um bösartige gierige Machtkater des Kapitals moralisch zu stützen. Die Medien als vierte Macht sind gleichgeschaltet! Göbbels wäre stolz, dass seine Idee so gut funktioniert! Die Angst zu schüren, ist die beste Maßnahme der „Regierigen“ um die Massen im Griff zu halten. Der Terrorismus ist die Zauberformel um wieder zu foltern, zu zensieren, zu lügen, zu betrügen und zu morden!
Alles in Ordnung oder, denkt sich der Pöbel! Ist mir sowieso egal, ich habe ja nix angestellt….ich schau gleich mal wer mir bei Facebook heute eine belanglose und verblödete Nachricht geschickt hat!
Das sind die Traumbürger, die sich das Pentagon wünscht! Natürlich auch die Lakaien im Kanzleramt!

ADAXON: Und zum Abschluss, wie denkst Du über Frau Merkel sowie den Erfolg der AfD? Mal ganz davon abgesehen, warum scheinbar keinen mehr das Thema "Nikolaus sieht alles" (NSA) interessiert.

DRACUL: Die EU ist solch ein wunderbares Konzept! Wir haben das Glück in der längsten Phase des Friedens in unserem Lande zu leben. Das ist der EU zu verdanken! Wir hätten keine Probleme, hätten wir nicht gierige Banken, die nichts lernen, sondern uns noch mehr verarschen! Die Politik ist der willige Handlanger dieser feudalkapitalistischen Interessengruppen und die „AfD“ ist nichts weiter als ein Sammelbecken provinzieller verhinderter FDP Clowns! Wo soll ich da eine vernünftige Perspektive entdecken.
Frau Merkel? Ich spare mir die Worte, denn ich will nicht vulgär werden müssen!

Vielen Dank für die offenen Worte und das beantworten unserer Fragen.

Weitere Links:
www.facebook.com/dracul.official
http://www.facebook.com/umbraetimago.official

Umsetzung: Die Randgruppe GmbH